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Ergebnisse der 11. Transferveranstaltung » Zusammen denken – gemeinsam Handeln « am 2. Juni 2026 in Sömmerda

Ohne Auto geht es nicht – zumindest im Kleinstadtkontext des vorwiegend ländlich geprägten Thüringer Raumes. Es sei denn, der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird deutlich attraktiver und die Radwege werden ausgebaut. Darüber waren sich die rund 50 Teilnehmenden im Sömmerdaer Volkshaus am Ende des Veranstaltungstages einig. Diese vertraten überwiegend die Programmgemeinden der Städtebauförderung beim bewährten Austauschformat » Zusammen denken – gemeinsam handeln «, das zum kommunalen Wunschthema „Nachhaltige Mobilität in Kleinstädten“ am 2. Juni 2026 vom Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur (TMDI) durchgeführt wurde.

Nach den Grußworten von Herrn Bürgermeister Hauboldt und Frau Maruschky, Referatsleiterin im TMDI, diente die erste Gesprächsrunde dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Erfahrungsaustausch zu acht Handlungsfeldern, in denen Kommunalverwaltungen die Förderung nachhaltiger Mobilität beeinflussen können:

  1. Bahnhofsgebäude und Bahnhofsumfelder reaktivieren bzw. als Eingangstore aufwerten und als Mobilitätszentralen qualifizieren
  2. ÖPNV-Angebote und Erreichbarkeit ausbauen bzw. verbessern, Koordination mit übergeordneten Verkehrsverbünden
  3. Ausbau der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur, Anbindung der Innenstadt an touristische (Wander-)Wegenetze und Ortsteile, Quartiersverbindungen
  4. Umgang mit motorisiertem Individualverkehr (MIV), Schaffung verkehrsberuhigter Zonen in der Innenstadt, Parkraummanagement
  5. Vorbildwirkung der Stadtverwaltung für nachhaltige Mobilität (z. B. emissionsarmer kommunaler Fuhrpark, barrierefreie Zugänge zu kommunalen Einrichtungen)
  6. Verkehrskonzepte/ integrierte Mobilitätsplanung
  7. Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität (E-Auto und E-Bike) an stark frequentierten Plätzen im öffentlichen Raum
  8. Bürgerschaftlich getragene Mobilitätsangebote zur besseren Anbindung der Ortsteile (Ruftaxis, Einkaufs- und Ärztebusse, Mitfahrbänke etc.)

An den Thementischen konnte bereits nach kurzer Zeit herausgearbeitet werden, dass zahlreiche Querbezüge zwischen den einzelnen Handlungsfeldern bestehen. Neben dem, was bereits erreicht werden konnte, wurden auch Hemmnisse für die Umsetzung benannt (z. B. in Bezug auf die vom Stadtrat zu beschließenden Finanzmittel bzw. die Aufbringung kommunaler Mitleistungsanteile für Förderungen).

Darüber hinaus wurde deutlich, dass die Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen als eine der großen Zukunftsaufgaben zugleich ein Querschnittsthema ist. Ähnlich wie bei der Klimaanpassung oder der Digitalisierung besteht hierfür ressortübergreifender Abstimmungsbedarf auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen.

Auswertungen aus dem Thüringer Landesmonitoring und bildhafte Eindrücke der Städtebereisungen zeigte Herr Groß als Koordinator der Begleitforschung. In den integrierten Stadtentwicklungskonzepten wird die Veranstaltungsthematik bereits gut berücksichtigt, wobei größere Kommunen tendenziell häufiger über ein eigenes Verkehrskonzept verfügen. Während die Einwohnerzahlen im langjährigen Betrachtungszeitraum rückläufig sind, stiegen die PkW-Zahlen jedoch an. Dadurch bleiben die Ziele zur Treibhausgas-Emissionsreduzierung im Verkehrssektor schwer erreichbar. Vergleichbare Herausforderungen bestehen auch bei der Reduzierung des Flächenverbrauchs. Relativierend wirkt hingegen der zunehmende Anteil von Hybrid- und Elektrofahrzeugen beim motorisierten Individualverkehr. (Der hierfür ursprünglich vorgesehene Fachbeitrag der ThEGA zum Thema Elektromobilität in Thüringen musste kurzfristig entfallen.)

Ein Imagefilm stimmte zunächst auf die gastgebende Kommune ein. Daran anknüpfend vermittelte Herr Braem als Sömmerdaer Bauamtsleiter die Erfolge der Kommune – sowohl bezogen auf das Tagungsthema als auch hinsichtlich der städtebaulichen Aufwertung infolge von mehr als 35 Jahren geförderter Stadtsanierung. Im Anschluss an diese Ausführung konnten die Teilnehmenden bei sonnigem Wetter in drei parallel geführten Exkursionsgruppen Einblicke vor Ort gewinnen:

  • Route 1: Wege in die Mitte: Innenstadtgestaltung im Kontext von Mobilität und Beteiligung (zu Fuß), begleitet von Herrn Braem (Bau- und Umweltamt) und Frau Kob (Stadtmarketing)
  • Route 2: Wie Stadtentwicklung alle erreicht: Barrierefreiheit und Inklusivität – Vom öffentlichen Raum bis zum Freibad (zu Fuß), begleitet von Herrn Raddatz (Projektleiter DSK mbH) als Sanierungsträger und Herr von der Weth (Geschäftsführer Stadtwerke Sömmerda GmbH)
  • Route 3: Nachhaltige Wege ins Umland: Radwegeführung von der Innenstadt bis zum Rastplatz in Leubingen (mit Fahrrad und E-Bike), begleitet von Frau Tzscheuschner (Sachgebiet Stadtplanung) und Frau Ansorg vom Zweckverband Allianz „Thüringer Becken“

Warum der ÖPNV vielfach als unattraktiv wahrgenommen wird, erläuterte Herr Philipps, zuständiger Referatsleiter für den öffentlichen Personennahverkehr im TMDI. Dabei verwies er darauf, dass der Anteil des ÖPNV am Modal Split lediglich zwischen fünf und neun Prozent liegt. Im weiteren Verlauf wurden die Planungen zum Integralen Taktfahrplan vorgestellt, mit dem die Ankunfts- und Abfahrtszeiten verschiedener Verkehrsträger thüringenweit besser aufeinander abgestimmt werden sollen. Der Abschluss der Planungen in den verschiedenen Regionen ist bis 2030 vorgesehen, wobei mit einigen Verkehrsverbünden bzw. Landkreisen bislang noch kein Konsens erzielt werden konnte. Aus dem Plenum wurde dieser Ansatz ausdrücklich begrüßt. Zugleich wurde angeregt, dass die vom TMDI beauftragte LEG die Informationen zeitnah an die verschiedenen Akteursgruppen weiterleitet und diese intensiv in die weiteren Prozesse einbindet.

Bei leerstehenden Bahnhofsgebäuden und brachliegenden Flächen im Umfeld überschneiden sich die Zielstellungen nachhaltiger Mobilität mit städtebaulichen Missständen und stadtfunktionalen Mängeln als eigentliche Schwerpunkte der Städtebauförderung (https://stadtentwicklung-thueringen.de/handlungsschwerpunkt-bahnhofsgebaeude-und-umfelder-reaktivieren oder auch https://stadtentwicklung-thueringen.de/handlungsschwerpunkt-oepnv-angebote-ausbauen-und-verbessern). Herr Groß präsentierte hierzu mehrere Thüringer Beispiele, bei denen entsprechende Aufwertungen erfolgreich umgesetzt wurden. Darauf aufbauend stellte Herr Bürgermeister Widder die vorbildliche Neugestaltung des Bahnhofsgeländes in Zella-Mehlis vor. In der rund 13.000 Einwohner zählenden Stadt gelang es, das weiterhin genutzte Bahnhofsgebäude einschließlich Busbahnhof und Umfeld barrierefrei zu modernisieren, als Mobilitätsknotenpunkt im Thüringer Wald anspruchsvoll auszustatten und mit entsprechenden Abstellmöglichkeiten sowie Sharing-Angeboten für flexible Umsteigemöglichkeiten zu verknüpfen. Die über ein Jahrzehnt geführten Entwicklungsprozesse verdeutlichen den langen Atem, den kommunale Verwaltungen für die Umsetzung solcher Großprojekte benötigen. Dieser Aufwand zahlt sich jedoch aus, da er nachhaltige Impulse für die Entwicklung der gesamten Stadt und der mit ihr vernetzten Region setzt.

Im zweiten Arbeitsformat am Nachmittag trugen die Teilnehmenden bei einem regen fachlichen Austausch an den Thementischen verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogramme zusammen, die Kommunalverwaltungen bei der Umsetzung entsprechender Vorhaben unterstützen können. Anschließend priorisierten sie die Handlungsfelder in denen der größte Unterstützungsbedarf gesehen wird (vgl. digitalisierte Ergebnisse der Stellwände).

Die größten Unterstützungsbedarfe wurden demnach für die Handlungsfelder 1 bis 4 signalisiert. Dabei wurde das breite Spektrum an Fördermöglichkeiten aus unterschiedlichen Ressorts beschrieben. Genannt wurden neben Programmen für den ÖPNV und die kommunale Verkehrsinfrastruktur (KVI) unter anderem Förderungen aus EFRE, Städtebauförderung, Integrierter Ländlicher Entwicklung (ILE), Regionalentwicklung sowie Tourismusförderung. Die Richtlinie zur Förderung kommunaler Verkehrsinfrastruktur (KVI) bietet den Kommunalverwaltungen die zielgerichtetste Finanzierungshilfe. Damit können Konzepte und Maßnahmen für den Rad- und Fußverkehr – etwa Radfahrstreifen, Fahrradstraßen oder Fußgängerzonen – ebenso gefördert werden wie Vorhaben im ÖPNV, z. B. Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Anlagen oder Pendlerparkplätze. Ergänzt werden diese Fördermöglichkeiten durch zahlreiche Beratungsangebote, darunter der Mobilitätskompass oder das E-Lotsen-Weiterbildungsprogramm der ThEGA. Verschiedene Netzwerke wirken zudem unterstützend, beispielsweise das Thüringer Mobilitätsnetzwerk, die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Thüringen (AGFK), der ADFC Thüringen, das nationale Kompetenznetzwerk für nachhaltige Mobilität oder der Verein „Verkehrswende in kleinen Städten“.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Frau Maruschky im Rahmen eines kurzen Fazits bei allen Teilnehmenden für ihre Mitwirkung. Sie betonte, dass es angesichts knapper werdender Ressourcen und wachsender Herausforderungen zunehmend schwieriger werde, sich aus dem Arbeitsalltag zu lösen, um an diesem stets bereichernden Format des wichtigen Erfahrungsaustauschs teilzunehmen.

Programm der 11. Transferveranstaltung

Ergebnisse an den Stellwänden

Präsentationen der Referierenden